Grippe- und Corona-Impfung in der Saison 2026/2027: wer, wann und auf wessen Kosten
In Deutschland richtet sich beides nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), und die sind enger gefasst, als viele erwarten: Die Grippeimpfung wird nicht pauschal allen empfohlen, sondern Menschen ab 60 Jahren, Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, Schwangeren, Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen sowie Personen mit beruflich erhöhter Exposition. Für alle empfohlenen Gruppen ist die Impfung Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen und damit kostenfrei. Der empfohlene Zeitraum: Oktober bis Mitte Dezember.
Grippeimpfung: wem die STIKO sie empfiehlt
| Gruppe | Empfehlung |
|---|---|
| Personen ab 60 Jahren | Ja — mit wirkverstärktem bzw. Hochdosis-Impfstoff |
| Schwangere | Ja — ab dem zweiten Trimester; bei Grunderkrankung bereits ab dem ersten |
| Chronisch Kranke (Atemwege, Herz-Kreislauf, Leber, Nieren, Diabetes, neurologische Erkrankungen, Immundefizienz) | Ja — ab 6 Monaten |
| Bewohner von Alten- und Pflegeheimen | Ja |
| Medizinisches Personal und Beschäftigte mit viel Publikumsverkehr | Ja |
| Personen mit Kontakt zu Geflügel, Schweinen, Wildvögeln oder Robben | Ja |
| Gesunde Kinder und Erwachsene unter 60 ohne Grunderkrankung | Keine generelle Empfehlung — die Impfung ist aber möglich |
Die Begründung der STIKO für die letzte Zeile: Bei gesunden Kindern und bei Erwachsenen unter 60 verläuft eine Influenza in der Regel ohne schwere Komplikationen. Wer sich dennoch impfen lassen möchte, kann das tun — Kinder sind ab dem Alter von 6 Monaten impfbar. Die Frage ist dann nicht die Zulässigkeit, sondern die Kostenübernahme.
Wer bezahlt
Für alle von der STIKO empfohlenen Gruppen ist die Grippeimpfung Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Darüber hinaus übernehmen viele Kassen die Kosten als Satzungs- oder Mehrleistung auch für Versicherte ohne Indikation, teilweise per Erstattung. Ohne medizinische oder berufliche Indikation lohnt deshalb ein kurzer Anruf bei der eigenen Kasse, bevor der Termin steht.
Für Kinder: Spritze oder Nasenspray
Für Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren steht neben dem injizierten Totimpfstoff ein nasal verabreichter Lebendimpfstoff zur Verfügung; die STIKO sieht ihn als gleichwertig an. Er ist nicht für alle geeignet — etwa nicht bei Immundefizienz, schwerem Asthma oder Salicylat-Therapie — und die Verfügbarkeit schwankt von Saison zu Saison. Was infrage kommt, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt.
COVID-19-Impfung in dieser Saison
Die STIKO empfiehlt die jährliche Auffrischimpfung im Spätsommer oder Frühherbst — also jetzt — für:
- alle Personen ab 60 Jahren;
- Personen ab 6 Monaten mit einer Grunderkrankung, die das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht;
- Beschäftigte in medizinischen und Pflegeeinrichtungen;
- Schwangere nur bei erhöhtem Risiko — etwa durch eine Grunderkrankung oder schwangerschaftsassoziierte Komplikationen wie Gestationsdiabetes oder Bluthochdruck.
Verwendet werden zugelassene mRNA- und proteinbasierte Impfstoffe mit der von WHO bzw. EMA empfohlenen Variantenanpassung für die Saison 2026/2027. Den aktuellen Stand führt das RKI.
Beides an einem Termin
Zwischen der COVID-19-Impfung und anderen Totimpfstoffen ist kein Abstand von 14 Tagen mehr erforderlich. Grippe- und Corona-Impfung können am selben Tag gegeben werden, an unterschiedlichen Gliedmaßen — ein Termin statt zwei.
Warum darüber gestritten wird — und was belegt ist
Ob eine Impfung für Sie persönlich sinnvoll ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Die Grundlage der öffentlichen Empfehlungen lässt sich aber nachlesen:
- Die WHO schätzt die weltweite Krankheitslast der saisonalen Grippe auf rund eine Milliarde Fälle jährlich, darunter 3–5 Millionen schwere Verläufe und 290.000 bis 650.000 Todesfälle durch Atemwegserkrankungen (WHO, Influenza (seasonal)).
- Die WHO nennt als prioritäre Gruppen für die jährliche Impfung Schwangere, Kinder von 6 Monaten bis 5 Jahren, Menschen über 65, chronisch Kranke und Gesundheitspersonal. Die STIKO folgt dieser Logik, setzt bei gesunden Kindern aber bewusst keine generelle Empfehlung.
- Eine Empfehlung des EU-Rats setzt als Ziel 75 % Impfquote in den älteren Altersgruppen. In der Saison 2024/25 lag der Median in der EU/dem EWR bei 47 % (ECDC).
- Die Impfung in der Schwangerschaft schützt auch das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten, in denen es selbst noch nicht geimpft werden kann.
Damit die Termine nicht verloren gehen
Saisonale Impfungen haben eine unbequeme Eigenschaft: Sie wiederholen sich jedes Jahr und tragen sich nirgends von selbst ein. Ein Jahr später weiß niemand mehr, ob es der Oktober war oder doch erst der Januar — und in einer Familie sind das nicht ein Datum, sondern fünf.
Evaxify führt die Profile der ganzen Familie — Kinder, Erwachsene, Hund und Katze — in einem Konto. Sie tragen ein, was wann gemacht wurde, wählen das Wohnsitzland, und die App gleicht die Historie mit dem Impfkalender dieses Landes ab und erinnert an die nächsten Termine. Saisonale Impfungen sind dabei gesondert gekennzeichnet, weil ihr Termin aus dem Kampagnenfenster folgt und nicht aus dem Alter. Was und wann geimpft wird, entscheidet weiterhin die Ärztin oder der Arzt — die App kümmert sich um Daten und Fristen.
Andere Länder
Die Regeln unterscheiden sich stärker, als man denkt: In Polen ist die Grippeimpfung für alle Kinder und Jugendlichen unter 18 kostenfrei, in Frankreich startet die Kampagne erst Mitte Oktober. Eigene Texte dazu: Polen (auf Polnisch), Frankreich (auf Französisch).
Häufige Fragen
Nein. Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung nicht generell für gesunde Kinder, sondern für Kinder mit einer Grunderkrankung, die das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht. Geimpft werden können Kinder ab 6 Monaten — auch ohne Indikation ist die Impfung möglich, aber dann keine Regelleistung.
Für alle von der STIKO empfohlenen Gruppen ist die Impfung Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen und damit für Versicherte kostenfrei. Viele Kassen übernehmen die Kosten darüber hinaus als Satzungsleistung — das lässt sich vorab bei der eigenen Kasse klären.
Die STIKO empfiehlt den Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember. Der Impfschutz baut sich in 10 bis 14 Tagen auf, deshalb ist auch eine spätere Impfung noch sinnvoll, solange Influenzaviren zirkulieren.
Ja. Zwischen der COVID-19-Impfung und anderen Totimpfstoffen ist kein Abstand von 14 Tagen mehr nötig; beide Impfungen können gleichzeitig an unterschiedlichen Gliedmaßen verabreicht werden.
Allen Personen ab 60 Jahren sowie Personen ab 6 Monaten mit einer Grunderkrankung, die das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht — jährlich im Spätsommer oder Frühherbst. Für Schwangere wird eine Auffrischimpfung nur bei erhöhtem Risiko empfohlen.
Für Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren steht neben dem Totimpfstoff ein nasal verabreichter Lebendimpfstoff zur Verfügung, den die STIKO als gleichwertig ansieht. Er ist nicht für alle geeignet und nicht immer lieferbar — das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Quellen
- Schutzimpfung gegen Influenza — Impfempfehlung, Robert Koch-Institut
- COVID-19-Impfempfehlung der STIKO — Robert Koch-Institut
- Grippeimpfung bei Kindern — BZgA, infektionsschutz.de
- Influenza (seasonal) — World Health Organization
- Influenza vaccination coverage rates in the EU/EEA — ECDC